Tonstudio niedersachsen

Tonstudio Bau Teil 4: Raum-in-Raum-Konstruktion

Vorbereitung:

Der erste Schritt zur Raum-in-Raum-Konstruktion war es, eine Wand im ehemaligen Wohnzimmer zu bauen, um es in Regie- und Konferenzraum aufzuteilen. Dazu haben wir 75x40mm UW Wandprofile mit einer flachen Daemmschicht beklebt und im Boden und in der Decke verschraubt. Vertikal darein kamen 75x50mm CW Profile, die mit SONOROCK akustik Daemmwolle (1000x625x70mm-Platten) gefuellt wurden. Um das geplante Fenster und die geplante Tuer haben wir dann 73x40x2mm Ua Profile verwendet. Über der Wand war Platz, um Kabel durchzufuehren, weshalb wir uns darueber erstmal keinen Kopf machen mussten. Tueren und Fenster waren noch nicht geliefert, weshalb wir die Wand soweit wir konnten mit Rigips (die Blaue – 1250x2000x12,5mm) verplankt haben und uns dann der Raum-in-Raum-Konstruktion gewidmet haben.

Klimaanlage & Heizung:

Wir haben uns aus Kosten- und Schallschutzgruenden gegen eine Klimaanlage entschieden. Fenster und Tuer zum Lueften sollten uns genuegen und es ist ein antrieb, nach ein paar Stunden Session eine kleine Pause einlegen zu muessen, was bei permanenter Beschallung mehr als sinnvoll ist. allerdings ist es schon erstaunlich, wie schnell die Luft in einem geschlossenen Raum unertraeglich wird. also ein Tipp von uns: Spart nicht an der Klimaanlage! Das macht den Bau einer Raum-in-Raum-Konstruktion zwar wesentlich schwieriger, lohnt sich aber in jedem Falle. Im Wohnzimmer gab es eine Heizung, an der wir lediglich die Frostsicherung aktiv gelassen haben, und die wir dann zwischen außenwand und Raum-in-Raum-Konstruktion verschwinden lassen haben. Der Plan ist, dass es im Winter durch die Geraete und Menschen  bei der guten Isolierung warm genug wird. Im weiteren Verlauf wird  kann Raum-in-Raum Konstruktion mit RiR abgekuerzt werden.

Raum-in-Raum-Konstruktion

Wie schonmal irgendwo erwaehnt, daemmt eine Raum-in-Raum-Konstruktion besser, je groeßer der abstand zwischen den Waenden ist, gleichzeitig sollte bei uns aber der vorhandene Platz maximal genutzt werden. Der kleinste abstand zwischen den Waenden (also hinten im Raum) sollten dann 5cm werden, der groeßte abstand (vorne) 26cm. Die Zahlen haben wir nicht wissenschaftlich deduziert; 5cm schien nach Hoerensagen das Minimum und die 26cm waren auch eher Bauchgefuehl bzw. hatte aesthetische Gruende. Die Decke sollte angeschraegt sein, um nicht parallel zum Boden zu sein. auch hier war der Minimalabstand zur Decke 5cm und maximal sollten wir auch ungefaehr bei 26cm gelandet sein. Der gesamte Regieraum sollte links-rechts-symmetrisch bleiben, um moeglichst akkurat stereo hoeren zu koennen. Das bedeutet, dass Vorder- und Rueckwand der Regie parallel bleiben muessen.

Wir waren nicht sicher, in welche Richtung die Decke und die beiden Seitenwaende fuer beste akustik angeschraegt werden sollten, unser akustikerfreund hat uns dann verraten, dass der Schall nach hinten in den Raum wandern soll; in Laufrichtung des Schalls aus den Lautsprechern und weg von Hoerposition. Was bedeutet, dass wir vorne die Decke am niedrigsten und den Raum am schmalsten gebaut haben.

Studioplanung Tonstudio planen
Studioplanung Tonstudio planen raum in raum
Raum in Raum Geruest

Das Geruest der Raum-in-Raum-Konstruktion

Worauf nun die ganze Raum-in-Raum-Konstruktion bauen, um sie zu entkoppeln? Nach einiger Recherche hatte sich ein Stoff namens Sylomer Sylomer Trittschallstreifen (BLaU TSS B – 1 Rolle = 5m) herauskristallisiert, was urspruenglich dafuer gedacht worden zu sein scheint, Industriemaschinen zu entkoppeln. auf diesen Sylomerstreifen soll unser ganzer Raum nun stehen. Es gibt 10 verschiedene Staerken Sylomer, die jeweils unter speziellen Druckbelastungen am effektivsten entkoppeln. Das heißt wiederum, dass wir vorher wissen mussten, was der fertige Raum inklusive Interieur und potenziell zukuenftigem Interieur wiegen wird. Ein Überschlag ergab ein Leergewicht von ca. 2100kg und ein endgueltiges Gewicht von ca. 2800kg, was auf einer auflageflaeche von 1,29m^2 liegen soll. Nach Ruecksprache mit einer Firma namens Telle haben wir uns schlieẞlich fuer das Sylomer SR18 (0,018N/mm^2) entschieden und bestellt.

Wir haben also ein Geruest aus Kantholz (6x8cm Untergeruest, 8x8cm Obergeruest) gebaut und das mit Hilfe von doppelseitigem Klebeband auf das Sylomer geklebt. anfangs hatten wir angst, dass der Kleber nicht haelt, aber durch das Gewicht sitzt das Geruest am Ende bombenfest. auf das Geruest haben wir nun die aluprofile wie auf den Zeichnungen mit dem Holzrahmen verschraubt. Da die Decke am Ende sehr schwer wird haben wir die oberen Holzbalken des Geruestes jeweils mittig mit den Stabileren Ua Profilen gestuetzt. Das Deckengeruest selber wird auch mit Ua Profilen gebaut, die auf die Holzkonstruktion aufgelegt und verschraubt werden. auch das Fenster wird mit Ua Profilen verstaerkt. Die Querbalken hierbei werden einfach mit Winkeln verschraubt.

Raum-in-Raum-Konstruktion
Studioplanung Tonstudio planen Raum-in-Raum-Konstruktion

achtung:

Raum-in-Raum-Konstruktion

Zum Glueck noch alles dran!

Handschuhe sind beim Umgang mit Blechprofilen sehr zu empfehlen. auch ein scharfer Bohrer ist von Vorteil! Wir haben all das nicht gehabt und die ein oder andere Schnittverletzung mitgenommen!

Noch ein guter Tipp:

Das Geruest wirkt ohne die Rigipsplatten sehr instabil und wackelig. Wir haben uns davon anfangs taeuschen lassen und noch Balken zur wand mit Sylomer abgestuetzt. Das ist absolut nicht noetig und bietet mehr potenzielle auflageflaeche des Raumes, was sich wiederum negativ auf die Schalldaemmung auswirkt. Sobald die erste Lage Rigips drauf ist, steht die Konstruktion bombenfest! Wir mussten unsere Balken anschließend wieder entfernen und das war sehr aufwendig. also einfach abwarten und keine Panik. Den Raum auf dem Boden zu verkleben reicht vollkommen aus.

Die Kabelverlegung

Bevor wir nun die Daemmwolle einsetzen, muessen erstmal alle relevanten Kabel in die Raeume verlegt werden. Bei uns waren das zwei 16 Cordial CMS16 Multicores, eine Loudspeaker-Line und ein Monitorkabel in den aufnahmeraum, Ethernet ins Studio 2 und eine handvoll Stromleitungen an den Sicherungskasten. Die Kabel haben wir durch einen Holzbalken am Boden in die Raum-in-Raum-Konstruktion durchgefuehrt. Die Kabel in den aufnahmeraum gehen unmittelbar durch die Wand dorthin, die Kabel ins Studio 2 und zum Stromkasten haben wir ueber die Raum-in-Raum-Konstruktion und ueber die anfangs errichtete Wand zwischen Regie und Konferenzraum gelegt. Der Boden musste warten, bis der aufnahmeraum konstruiert ist und wir uns entschieden haben, wie wir den Boden angehen.

Der aufnahmeraum wurde weitestgehend nach dem selben Schema gebaut. anders als in der Regie haben wir hier auf L/R-Symmetrie verzichtet und mussten an zwei Stellen Kabel durchfuehren; einmal die Kabel aus der Regie und einmal die Kabel ins Studio 2/Strom.

Studioplanung Tonstudio planen verkabelung

Fenster und Tueren

Raum-in-Raum-Konstruktion
Raum in Raum Konstruktion zwischenraum
Raum in Raum Konstruktion Fenster einbauen

Im Studio 1 fuehrt ein großes Fenster raus in den Garten. Wir hatten das Glueck, auf eBay-Kleinanzeigen (insgesamt koennen wir ebay-Kleinanzeigen wirklich sehr empfehlen, um guenstig Baumaterial oder sogar Geraete zu beschaffen) einen Haufen ausreichend große doppelt verglaste Fensterscheiben zu ergattern, die sich als Fenster in den Garten und als Fenster von Regie in die aufnahme geeignet haben. Beim Fenster in den Garten mussten wir improvisieren und zwei Scheiben nebeneinander anordnen, da keine einzelne Scheibe groß genug war. Wir hatten da schon ziemliche Bedenken, ob wir dadurch die Schallisolierung zunichte machen, aber im Endeffekt funktioniert alles wie gewuenscht. Zum Glueck!

Wir haben uns fuer konventionelle Balkon-/Terassentueren als Tueren zur Regie und zum aufnahmeraum entschieden und vergleichbare Fenster. Die sind guenstig und effektiv, da sie luftdicht abschließen, was fuer unsere Zwecke unerlaesslich ist. Memo: Erstmal alle Kleber entfernen, sobald die Tueren und Fenster da sind und ueberpruefen, ob alles in Ordnung ist. Wir haben das nicht gemacht und haben erst lange nach dem Einbau der Tueren gemerkt, dass wir eine Tuer bekommen haben, in die aus welchen Gruenden auch immer ein Schluesselloch eingefraest war. Das war natuerlich ein Schock- die Schalldaemmung stand auf dem Spiel. Leider war die Tuer schon fest eingebaut. Wir haben uns  dann entschieden, dass Loch mit Bauschaum auszufuellen und das Beste zu hoffen. Zum Glueck stand das Schicksal mal wieder auf unserer Seite.

Der Einbau:

Wir haben die Ua Rahmen mit einem Daemmstreifen beklebt und dann das Fenster eingesetzt und von allen Seiten verschraubt. Das selbe haben wir mit den Tueren gemacht, wobei die Tueren unten auf dem Holzgeruest aufliegen. Spaeter soll dann der Rigips ein Stueck ueber den Fenster bzw. Tuerrahmen ueberlappen. Benutzt eine Wasserwaage, sonst aergert ihr euch spaeter!

Bei dem Regiefenster zum aufnahmeraum mussten wir noch einen Rahmen bauen. Mehr hierzu im naechsten Blogeintrag.

Die Rigipsbeplankung:

Nachdem Tueren, Fenster und Glasscheiben eingebaut waren, haben wir die Waende mit SONOROCK akustik Steinwolle gefuellt. Hierbei ist darauf zu achten, die Wolle nicht zu quetschen sondern locker einzulegen, da sonst die schallisolierende Wirkung nachlaesst.

Nun konnten wir die Raeume mit Rigips verplanken. Dazu nehmen wir Rigips die Blaue, die fuer ihren Schallschutz bekannt ist. Wir haben festgestellt, dass das wohl die ehrfurchterregendste arbeit ist, die auf so einem Bau anfaellt. Wir haben alle Waende und Decken dreifach beplankt. Dabei war es gar nicht so einfach, die dritte Lage anzuschrauben, da die gaengigen Trockenbauschrauben einfach zu kurz sind. aber Herr Google hat uns auch da wieder hilfreich zur Seite gestanden. Jede Schicht Rigips wird versetzt zu der Vorschicht verplankt.

Bevor die naechste Lage draufkommt, muss alles verspachtelt werden. achtet hierbei darauf, Vario Gips zu verwenden und in den Fugen Gewebeband einzuspachteln. Wenn Ihr das nicht macht habt Ihr spaeter im Putz risse, da die Holzkonstruktion arbeitet und ja auch harte Baesse durch euer Studio schwingen werden. Wir haben zwar den Vario Gips genommen, jedoch auf das Gewebeband verzichtet und haben nun schon den ein oder anderen Haarriss im Putz, was sehr unschoen aussieht.

Die Dampfbremsfolie wird im Normalfalle direkt auf die Trockenbauprofile geklebt, da wir aber drei Schichten Rigips haben, erschien es uns sinnvoller erst nach der zweiten Lage Rigips die Dampfbremsfolie zu verkleben, da sie so nur von den Schrauben der letzten Rigipsschicht durchloechert wird.

Raum-in-Raum-Konstruktion
Dampfbremsfolie im Tonstudio
Raum-in-Raum-Konstruktion
Raum-in-Raum-Konstruktion Regiefenster
2018-10-05T09:23:41+00:00