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Das Tonstudio planen

100qm frei zu gestaltende Geschaeftsfläche sollten natürlich akribisch geplant werden! Also machen wir uns ran. Wir hatten bis dato in unserer Gesangskabine niemals wirklich mehr Platz, als ein oder maximal zwei Menschen beanspruchen würden. Und natürlich keinerlei wohnliche Gegebenheiten wie fließend Wasser, Fenster, Mikrowelle oder Ähnliches im Studio. Wo kommen nun also die neuen Räume und in welcher Anordnung hin? Welche Wände müssen weg, welche müssen neu? Welches Material benutzen wir überhaupt? Welche und wieviele Kabel müssen durch diese Wände gezogen werden? Was lässt unsere Kompetenz und was die Naturgesetze zu? Was darf das Kosten und wie lange darf das dauern?

Den ersten Gesamtüberblick über die Raumsituation hat uns eine Software namens SweetHome3D Sweet Home 3D [Download] ermöglicht, in der wir die Räumlichkeiten virtuell darstellen konnten und uns tiefergehende Gedanken zu Grundriss und Design machen konnten. Als wir vor Ort waren, haben wir zu allererst alle Räume nochmal vermessen. Außerdem haben wir versucht rauszufinden, welche die tragenden Wände sind und was weg kann.

Da wir viel mit Videoarbeit beschäftigt sind, brauchen wir unbedingt einen eigenen Schnittraum. In diesem sollte man im Optimalfall auch noch Audio aufnehmen können, wenn das Studio gerade in Benutzung ist. Wir müssen also sowohl den Regieraum als auch den Schnittraum mit dem Aufnahmeraum verkabeln. Außerdem brauchen wir noch einen Lagerraum für Gerätschaften und alles Weitere, was gelagert werden muss. Dazu benötigen wir noch einen weiteren Arbeits- und Konferenzraum, eine Küche und ein Badezimmer.

Studioplanung Tonstudio planen

Der Grundriss vor dem Umbau.

Studioplanung Tonstudio planen

Der geplante Grundriss nach dem Umbau.

Tonstudio planen – Bauliche Maßnahmen:

  • Im jetzigen Wohnzimmer wird später eine Trockenbauwand Konferenzraum und Studio 1 trennen. In die Wand kommen Tür und Fenster.
  • Die Wand vom Wohnzimmer zum Flur muss weichen.
  • Eine Glasfront mit Tür soll den Konferenzraum vom Flur trennen
  • Studio 1 und der Aufnahmeraum werden eine Raum-in-Raum-Konstruktion
  • Das Bad wird entkernt und die Wand zwischen Bad und Lager eingerissen
  • Neues Bad in alter Garderobe bauen
  • Türen und Zargen austauschen
  • Den gesamten Boden fließend mit Fliesen ausstatten, Regie und Aufnahme mit Naturstoff (Parkett, Kork, o.ä.)
  • Neues Stromnetz und Verkabelungen (Audio, Ethernet, DVI)
  • Einen Fenstersturz zwischen Studio 1 und Aufnahmeraum

Tonstudio planen – Die Verkabelung

Da wir fuer die Zukunft gerüstet sein wollten, waren wir besonders bei der Anzahl der verlegten Audiokabel großzügig. Wir haben 32 Kanäle von Aufnahmeraum zu Studio 1 und 16 Kanäle von Aufnahmeraum zu Studio 2 (Schnittraum) eingeplant. Im Aufnahmeraum befindet sich ein Monitor, der bei Bedarf sowohl von Studio 1 als auch Studio 2 gefüttert werden kann. Dafür haben wir einfach jeweils ein langes DVI-Kabel verlegt, das im Aufnahmeraum in einen Monitor-Switch geht. Weiterhin wollten wir ein Ethernet haben, welches in einem Server im Studio2 zusammenläuft, um schnellen Datenzugang jeder Art zu haben.

Studioplanung Tonstudio planen verkabelung

Tonstudio planen – Kabel verlegen

Netzwerk:

Wir haben uns dazu entschieden, das Ethernet in jeden Raum zu legen. Wir wollen ein stabiles Netzwerk haben und möchten über den Server jede Session aus beiden Studios laden können. Außerdem hat man noch die zusätzliche Möglichkeit, Audio über Ethernet zu fahren oder eine Kamera im Aufnahmerum anzusteuern.

Audio:

Aus Studio 1 kommen 2 Multicores mit jeweils 16 symmetrischen Kanälen in den Aufnahmeraum. Aus Studio 2 kommt ein Multicore mit 16 symmetrischen Kanälen in den Aufnahmeraum. Zusätzlich haben wir noch aus jedem Studio ein Loudspeaker-Kabel in den Aufnahmeraum gelegt. Das reicht für unsere Zwecke vollkommen aus. Außerdem haben wir auch noch die Möglichkeit, die beiden Studios aus dem Aufnahmeraum heraus zu verpatchen. Die Verbindungen sind über Wallboxes mit XLR female-Buchsen zugänglich. In Studio 1 passiert die Verkabelung nach der Wallbox über zwei Klinken-Patchbays, in Studio 2 ist die Wallbox fest mit dem Interface verkabelt.

Video:

Für Text und Noten hatten wir schon immer einen Monitor im Aufnahmeraum. Denn Papier raschelt und manch einer schreibt so undeutlich, dass er seine eigene Schrift nur schwer entziffern kann. Deshalb kommen aus beiden Studios noch Monitorkabel in den Aufnahmeraum. Dort werden sie an einem Switch angeschlossen, an dem man einstellen kann, welches der beiden Signale vom Monitor angezeigt wird.

Strom:

Im alten Studio hatten wir oft mit Stromausfällen zu kämpfen, da wir das ganze Studio über nur zwei Stromkreise fahren mussten. Deshalb war der Strom ein wichtiger Punkt in der Planung! Studio 1 bekommt 4 Stromkreise. Einer für das Licht, Steckdosen und für Ladegeräte etc. Ein Stromkreis für die Monitore. Einen für den Rechner und USB Geräte. Und der letzte für unser Rack. Bei Strom hört allerdings unser Mut zum Selbermachen auf und dafür müssen wir einen Fachmann holen. Zum Glück kennen wir da jemanden.

Raum-in-Raum Konstruktion:

Die Idee der Raum-in-Raum Konstruktion ist es, wie der Name sagt, einen Raum in einem bestehenden Raum zu bauen. Zweck ist es, den störenden Schwingungsschall, der sich über Boden und Mauerwerk übertragt, sowie akustichen Schall möglichst weit zu reduzieren.

In einer perfekten Welt schwebt der Raum im Raum, und zwar so, dass sich Wände, Boden und Decke nicht berühren. Da wir Räume nicht schweben lassen können, wird der Raum in dem bestehenden Raum auf den Boden gebaut und mit geeignetem Material schwingungsentkoppelt. Außerdem sollte das gewählte Baumaterial für den Raum an sich auch noch möglichst schalldicht sein. Ideal wäre hierfür Beton, aus Platz- und Kostengründen fiel unsere Entscheidung letzten Endes aber auf ein Holzgerüst mit Aluminiumprofilen, was mit Sonorock Akustik Dämmwolle gefüllt und drumherum dreifach mit Rigips (die Blaue) beplankt wird. Zur Schwingungsentkoppelung haben die komplette Konstruktion auf Sylomer® gebaut.

Studioplanung Tonstudio planen Raum-in-Raum-Konstruktion

Das Gerüst auf Sylomer.

Studioplanung Tonstudio bauen

Der Türzwischenraum.

Tonstudio planen – Akustik:

Studioplanung Tonstudio planen

Raum in Raum, Planung der Wände in Studio 1.

Studioplanung Tonstudio planen raum in raum

Raum in Raum, Planung der Wände im Aufnahmeraum.

Tonstudio planen- Akustik:

Die genauen Maßnahmen zur akustischen Optimierung der Räume kennt man erst, nachdem die Raum-in-Raum Konstruktion fertiggestellt ist. Denn erst, wenn der Raum in seiner endgültigen Form dasteht, kann der Raum auch akustisch ausgemessen werden. Es gibt lediglich ein paar einfache Faustregeln bei der Gestaltung der Raum-in-Raum Konstruktion.

Erstens: Parallele Wände vermeiden (das schließt Boden und Decke mit ein).

Zweitens: Je mehr Luft zwischen den Wänden ist, desto höher die Schallabsorption.

Drittens: L/R-Symmetrie zur fehlerfreien Darstellung des Stereopanoramas in der Regie sollte bestenfalls bestehen bleiben.

Hat man den Raum fertig, kann der Akustiker kommen und seine Messungen durchführen. Das kann man mit einem Messmikrofon, welche gar nicht teuer sind, einem Laptop und der passenden Software selber machen. Wir hatten das Glück, jemanden zu haben, der sich damit auskennt und bereit war, uns zu helfen. Darüberhinaus konnte er die Messergebnisse direkt in konkrete Bauanweisungen für die Diffusoren und Absorber übersetzen. Diese Messungen haben wir lediglich in Studio 1 und Aufnahmeraum durchgeführt. Studio 2 bekam keine Behandlung, da der Raum keine Raum-in-Raum Konstruktion ist und sowieso primär als Schnittraum dient.

Das bluStudios Tonstudio in Heidenau in der Nordheide ist mit seinen akustisch optimierten Studioräumen, dem hochwertigen Equipment und unseren erfahrenen Tontechnikern im Stande jede mögliche Produktion zu fahren. Die Regie- und Aufnahmeräume bieten eine gemütliche Atmosphäre für künstlerische Arbeit jeder Art. 

ZUM TONSTUDIO
  • VOCALAUFNAHMEN

  • RADIOWERBUNG

  • FILMVERTONUNG

  • MASTERING & MIX

  • BANDRECORDING

  • KOMPOSITION

  • SONGWRITING

  • DRUMRECORDING

  • SOUNDDESIGN

2019-01-29T12:54:28+00:00

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